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<14.12.2018> Großer Nachholbedarf: Die meisten Städte sind noch lange nicht "smart"

Mehr als die Hälfte der deutschen Städte (55 Prozent) hinken beim Ausbau der Digitalisierung hinterher. Im Rahmen eines Strategieprojektes haben wir 394 Städte mit mehr als 30.000 Einwohnern im Hinblick auf sieben "smarte" Anwendungsbereiche untersucht, mit internationalen Entwicklungen verglichen und diese Aufgabe schließlich zu einer Studie erweitert.

Eine Stadt gilt als smart, wenn sie ein datengetriebenes Konzept zur Digitalen Daseinsvorsorge entwickelt hat und intelligente Software-Programme mit einer neuen Hardware-Infrastruktur verknüpft. In der Studie wurden sieben smarte Anwendungsbereiche berücksichtigt: Energy & Environment, Mobility, Home, Building & Security, Health, Government, Education und Infrastructure. Es gibt trotz der "Digitalen Agenda für Deutschland" von 2014 heute noch keine deutsche Stadt, die im internationalen Vergleich einen Vorbildcharakter für die urbane Digitalisierung der Zukunft hätte.

Während die ersten 10 Ränge von Großstädten dominiert werden, bilden die kleineren Kommunen das Schlusslicht. Hamburg (38 Prozent), Köln (37 Prozent) und München (32 Prozent) führen das Ranking an, die Kommunen Bietigheim-Bissingen, Herrenberg und Stralsund stehen am Ende (je ein Prozent). Mit Darmstadt und Wolfsburg sind nur zwei Mittelstädte unter den besten Zehn vertreten, die übrigen acht sind Millionenstädte. Das Thema Smart City wird besonders in den kleineren Kommunen massiv unterschätzt. Es ist dort noch nicht angekommen, dass Anforderungen der Energiewende oder Verkehrsprobleme bereits heute digital gelöst werden können.

Trotz des kritischen Gesamt-Rankings der Klein- und Mittelstädte liefern hingegen die Auswertungen der Einzelkategorien mitunter erstaunliche Ergebnisse: Mit einer Gesamtquote von 100 Prozent siegt beispielsweise Norderstedt in der Sparte "Digital Infrastructure". Daneben führt Duisburg in der Kategorie "Smart Education", Darmstadt bei "Smart Health" und "Smart Energy & Environment", Dortmund bei "Smart Home, Building & Security". Sieger im Bereich "Smart Mobility" ist Wolfsburg.

Ob klein, mittel oder groß – profitieren können letztlich alle Städte von den neuen Technologien. Angefangen bei digitalen Mobilitätskonzepten wie etwa Car-Sharing bis hin zu E-Learning-Plattformen in den Schulen bieten smarte Konzepte viele Möglichkeiten, um die Standortattraktivität einer Kommune zu steigern. Es ist an der Zeit, dass die deutschen Städte die Chancen der Digitalisierung für sich nutzen. Bisher hat keine Kommune hierzulande einen internationalen Vorbildcharakter.

Für die Wirtschaft ist der Markt hoch attraktiv: Wir prognostizieren für die nächsten 10 Jahre ein Marktpotenzial von rund 474 Mrd. EUR allein in Deutschland. Das jährliche Investitionsvolumen wird bei circa 25 Mrd. EUR liegen – mit jährlichen Wachstumsraten von durchschnittlich etwa 10%. Der Smart-City-Markt bietet ein erhebliches Potenzial für Städte zur Steigerung ihrer Standortattraktivität – und für kommunale Unternehmen zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Stadtwerke können zum Beispiel als Treiber einer Smart-City-Entwicklung im Rahmen der "Digitalen Daseinsvorsorge" neue Geschäftsmodelle für sich entwickeln.

Allerdings muss das Marktpotenzial relativiert werden, denn es handelt sich nicht nur um zusätzliche, sondern zu großen Teilen um Ersatzinvestitionen, eine Herausforderung für Städte und die Industrie. Während die Städte jede anstehende Investition vor dem Hintergrund der Digitalisierungsfähigkeit überprüfen müssen, sollten Unternehmen ihre bisher etablierten Produkte und Lösungen "intelligent" machen. Andernfalls werden Sie als reiner Hardware-Lieferanten immer stärker dem Preiswettbewerb ausgesetzt sein. Wie in anderen Bereichen der digitalen Wirtschaft auch werden sich die "smarten" Produkte schnell im Wettbewerb durchsetzen.

Die Studie ist in der WirtschaftsWoche am 14.12.2018 erschienen und hier online abrufbar: So smart ist Ihre Stadt. Kostenlose Profile einzelner Städte können Sie bei uns unter "Digitales Städteranking Deutschland 2018" anfordern.