Die Unternehmensberatung für Ihren neuen Kurs

| Konzerntöchter restrukturieren – eine heikle Mission?


Die Corona-Pandemie fördert zutage, was bereits zuvor auf der Kippe stand – die Rede ist insbesondere von der kriselnden Automobil-Branche: „Im Autosektor gab es bereits im vergangenen Jahr viele Unternehmen, die Standorte und Werke auf den Prüfstand gestellt haben. Die Coronakrise verstärkt dieses Problem nun und weitet es auf nahezu alle Branchen aus“, erklärt unser Partner Dr. Jörg Schumacher im Interview mit dem Finance-Magazin.

Der Restrukturierungs-Experte geht davon aus, dass aktuell viele Konzerne unprofitable Standorte genauer begutachten werden. In diesem Fall stellt deren Zugehörigkeit zum Unternehmensverbund jedoch eine besondere Herausforderung dar: Trotz der rechtlichen Selbständigkeit der Tochterunternehmen liegt in vielen Fällen ein Konstrukt der Konzernhaftung vor, in welchem die Muttergesellschaft für die Beteiligung haftet. Eine Insolvenz als gängiges Mittel einer Restrukturierung kommt entsprechend für Mehrheitsbeteiligungen nicht in Frage – es müssen andere Wege gefunden werden, die Konzerntöchter wieder profitabel zu machen.

Dazu zählt etwa die Prüfung typischer Kostenthemen – wie von Verträgen oder Produktkalkulationen. Daneben gehören interne Prozesse, Einkaufs- und Sourcing-Strategien zu den „klassischen Stellhebeln“ bei Turnaround-Projekten.

Fingerspitzengefühl ist gefragt

Dabei sind die Probleme der Standorte oftmals keineswegs von jetzt auf gleich entstanden. Dennoch wird häufig erst nach mehreren gescheiterten Rettungsmaßnahmen die Restrukturierung eingeleitet, berichtet Dr. Schumacher. Hierbei gelte es, ein funktionierendes Zusammenspiel mit dem lokalen Management herzustellen. Der Mutterkonzern könne schließlich nur Vorgaben machen; deren Umsetzung liege letztlich jedoch in der Hand der lokalen Manager. Kostspielige Verzögerungen sollten dabei zwingend vermieden werden.

Es wird deutlich: Die Restrukturierung von Konzerntöchtern ist eine dialogische Aufgabe. „Die lokalen Manager haben ein Interesse daran, ihre Organisation vor harten Einschnitten zu schützen. Außerdem fühlen sie sich bei Restrukturierungsprojekten aus der Zentrale schnell fremdbestimmt“, sagt Dr. Schumacher. Zugleich sei es jedoch Aufgabe des Topmanagements, die Restrukturierungsmaßnahmen als unumgänglich zu verdeutlichen. Im Worst-Case-Szenario kommt es sonst zur Schließung eines Standortes oder dem Verkauf des Tochterkonzerns.
 


Zurück