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IDW S6 - Gutachten

| Sanierungsgutachten IDW S6: Relevante Themenfelder der Digitalisierung


Bei der Aktualisierung des Standards für Sanierungsgutachten IDW S6 im Mai 2018 wurde das Thema Digitalisierung in den Anforderungskatalog aufgenommen. Die Begründung dafür ist einleuchtend: Die digitale Transformation erfasst alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche. Ohne ein Digitalisierungskonzept oder eine entsprechende Strategie werden die meisten Unternehmen am Markt kaum bestehen.

In einer Sanierungssituation ist es heute immer relevant zu überprüfen, welche Initiativen und Kompetenzen im Bereich Digitalisierung ein Unternehmen aufweist, um seine Zukunftssicherheit hinreichend zu legitimieren. In vielen Fällen ist eine solche Beurteilung nicht einfach, sie erfordert Kompetenz und Know-how – vor allem auch auf Seiten des Gutachters. Zahlreichen Gutachtern, Banken und Managern ist die Bedeutung der Digitalisierung bewusst und ebenso die Notwendigkeit, sie im Sanierungsgutachten zu berücksichtigen. Aber wie dabei konkret vorgegangen werden sollte, das ist häufig nicht ganz klar. Deshalb wird dieses Thema in der Praxis bisher leider oft fahrlässig ignoriert. So verlieren Gutachten nach IDW S6 tatsächlich an Relevanz und bilden ein deutliches Risiko für eine zuverlässige Sanierung.

 

Welche Digitalisierungsthemen sind in der Begutachtung relevant?

Die Herangehensweise an das Thema ist relativ einfach, zumindest der systematischen Struktur nach. Anders sieht es aus bei der zuverlässigen Erörterung und Beurteilung des technologischen Status-quo sowie weiterer Möglichkeiten der Digitalisierung eines Unternehmens. Haselhorst Associates hat fünf Themenfelder für eine verbindliche Stellungnahme zur Digitalisierung im Rahmen des Gutachtens nach IDW S6 definiert – alleine unter dem Aspekt, welche Informationen besonders für Banken in der Gutachtenphase relevant sind. Folgende Punkte kommen dabei in erster Linie in Frage:

1 - Strategische Risiken aufgrund einer disruptiven Bedrohung des Geschäftsmodells

Für die Geldgeber ist es entscheidend, welches Disruptionsrisiko ein zu sanierendes Unternehmen eventuell hat, sie brauchen ein verbindliches Bild von der möglichen Bedrohung des Geschäftsmodells durch Digitalisierung, neue Technologien oder neue Wettbewerber. Die disruptive Auswirkung der Digitalisierung auf Geschäftsmodelle der Musikindustrie, des Filmverleihs, Reisebüros und weite Teile des Einzelhandels sind bekannt. Künftig werden zunehmend auch andere Branchen wie Bildung, Finanzen, das Gesundheitswesen oder Fertigungsunternehmen (3D-Druck) davon betroffen sein. Deshalb sind im ersten Schritt die wertschöpfenden Elemente des Geschäftsmodells hinsichtlich eines Risikos der Disruption zu begutachten.

2 - Aktueller Stand der Digitalisierung im Unternehmen
Anschließend ist der Status-quo der Digitalisierung zu analysieren und mit Blick auf mögliche Optimierungen im Vergleich zum Benchmark oder zum Ziel-Niveau zu prüfen. Hierzu werden unter anderem gängige Modelle zur Bestimmung des Prozessreifegrades beziehungsweise zur Beurteilung der aktuellen Systemunterstützung eingesetzt. Daraus ergibt sich ein Grad der Differenz zwischen dem aktuellen Stand, marktgängigen Standards oder State-of-the-Art-Lösungen. Auf dieser Basis werden Anhaltspunkte sichtbar für den Handlungsbedarf und eventuell erforderliche Investitionen. Eine wichtige Voraussetzung ist natürlich die Fähigkeit des Unternehmens zur adäquaten Digitalisierung.

3 - Fähigkeit des Unternehmens zur Digitalisierung
Die Fähigkeit eines Unternehmens, eine adäquate Digitalisierung selbst zu betreiben, ist ein wichtiges Kriterium für dessen Zukunftsfähigkeit und damit eine wesentliche Information im Begutachtungsprozess. Unternehmen sind nur dann fähig zur Transformation, wenn die personellen Ressourcen, das Know-how sowie organisatorische Strukturen und Abläufe im Vergleich zum Benchmark gegeben sind. Auch dieser Aspekt ist im Rahmen des Gutachtens mittels umfassender Fragebögen und Organisationsanalysen hinreichend zu prüfen.

4 - Haupthandlungsfelder der Digitalisierung
Aus den Ergebnissen der vorhergegangenen Schritte und bei Bedarf durch weiterführende Analysen lassen sich die wesentlichen Handlungsfelder für das Unternehmen ableiten. Diese sind typischerweise die Verbesserung der Marktposition durch digitale Produkte oder Services, Optimierungen von Prozessreifegraden durch digitale Tools sowie Schritte zur organisatorischen Weiterentwicklung, um die Digitalisierung nachhaltig betreiben zu können. Entsprechende Empfehlungen werden im weiteren Verlauf der Sanierung systematisch ausgearbeitet und ins Maßnahmen-Management integriert.

5 - Quantifizierung der wirtschaftlichen Effekte
Der letzte, aber entscheidende Schritt ist eine erste Indikation der finanziellen Auswirkungen der Digitalisierung auf das Unternehmen. Dazu gehören eine Quantifizierung der Nutzeneffekte bei Umsetzung der Handlungsempfehlungen sowie eine Schätzung der Kosten für die Schaffung der organisatorischen Voraussetzungen und die Implementierung der digitalen Verbesserungen. In Verbindung mit der Ermittlung des Zeitbedarfs sind diese Informationen wesentliche Aspekte für die Plausibilisierung der Geschäftsplanung.

 

Wenn bei einer Sanierung die genannten Aspekte der Digitalisierung auf die beschriebene Weise erörtert sowie organisatorisch und finanziell in der Unternehmensplanung berücksichtigt werden, dann lässt sich die Qualität der Entscheidungsgrundlagen für sämtliche beteiligten Interessensgruppen erheblich verbessern. Denn nur so entsteht ein zuverlässiges Sanierungsgutachten nach IDW S6.  

Haselhorst Associates ist Ihr erfahrener Partner bei der Erstellung von IDW S6 Gutachten. Bei der Entwicklung und Umsetzung Ihrer Digitalisierungsstrategie begleiten wir Sie gern auch außerhalb einer Sanierungssituationen. Sprechen Sie einfach mit Dr. Jörg Schumacher, Partner bei Haselhorst Associates und verantwortlich für den Bereich Digitalisierung. Er freut sich auf Ihre Kontaktaufnahme.


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